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Allerheiligen in meinen Augen

Kurz vorab – ich bin Atheist. Schon sehr früh zeichnete sich bei mir ab, dass ich der Kirche keinen Glauben schenken konnte. Im hoch- katholischen Polen weigerte ich mich am Religionsunterricht teil zu nehmen und sonntags zur Kirche zu gehen – deswegen gab es etliche Diskussionen. Ich fühlte mich oft nicht verstanden und noch mehr: die Dinge, die man mir über den Glauben und die Kirche erzählt hatte, machten für mich keinen Sinn. Meiner Meinung passte da vieles nicht zusammen und die Fragen, die ich schon damals hatte konnten mir nicht glaubhaft beantwortet werden. Ich glaube eben an Dinge, die ich sehe, die absolut Sinn ergeben. Punkt. Darüber hinaus ließ ich nicht mit mir diskutieren, wahrscheinlich zum Leid meiner Familie – mir war es egal. Mein Standpunkt zu diesem Thema stand sehr früh fest und daran ließ ich nicht mehr rütteln. Die Kirche hatte in dem Land meiner Kindheit ohnehin einen viel zu großen Einfluss auf das dortige Leben, auch auf die Politik, und das leider auch heute noch.

FriedhofWarum schreibe ich das? Immer an Allerheiligen denke ich über meine Einstellung zur Kirche nach, kein anderer Tag im Jahr ruft diese Gedanken hervor. Vor über 20 Jahren ist meine Lieblingsoma am 1. November gestorben, irgendwie war der Tag für sie passend, sie war sehr gläubig.

An Allerheiligen werden bei mir viele Erinnerungen wach. In Polen laufen alle Menschen mit einer großen Tüte Grabkerzen los und stellen sie auf die Gräber ihrer Angehörigen, ihrer Freunde und Bekannten. Ein großer Rauchgeruch liegt in der Luft und es war immer bitterkalt und grau, man war fast den ganzen Tag unterwegs und kam verfroren zurück nach Hause. Für mich als Kind ein Albtraum, ich konnte mich dem Ganzen leider nicht entziehen. Bereits damals fand ich es doof, dass die Menschen sich von der Kirche einen Tag vorschreiben lassen, an dem sie massiv Gräber besuchen. Klar, die Geste an sich ist schön, am Abend sieht man ein Meer aus Kerzenlichtern und es schaut wirklich toll aus. Aber diese Massenbewegung an diesem Tag machte auf mich immer den Eindruck eines gesellschaftlichen Zwangs. Wer Gräber gerne besucht, tut es aus Überzeugung und braucht dafür keinen vorbestimmten Tag.

Für mich haben Friedhöfe keine Bedeutung,  Ich muss nicht hin um an einen Verstorbenen zu denken, ich kann es jeder Zeit und überall tun. Ich mag die Gräber mit schweren Steinplatten nicht, sie wirken so erdrückend und kalt. Ich mag diesen Zwang nicht, jeden beerdigen zu müssen. Warum nicht die Asche eines Verstorbenen unter den Familienangehörigen aufteilen und zu Hause aufbewahren oder einfach verstreuen lassen? Es hat für mich nur wirtschaftliche Gründe, warum jeder in der Erde vergraben werden muss – egal ob als Leichnam oder als Asche.

Inzwischen gibt es kleinere Lockerungen und Alternativen, die mir gefallen.  Es gibt Friedwälder, Seebestattungen und Baumbestattungen, letzteres gefällt mir von den möglichen Methoden am besten. Eine Urne wird unter einem jungen Baum begraben, es gibt keine schwere Steinplatte – nur einen kleinen Stein mit Messingschildchen, der symbolisiert, dass hier jemand ruht. Ein solcher Baumfriedhof wirkt freundlich, hier kann man spazieren gehen. Das Interesse an der Baumbestattung wächst und das gefällt mir. Es werden dafür neue Bäume gepflanzt und die Friedhöfe nehmen optisch einen Park-Charakter an.

Unter einem Baum wurde mein Schwager beerdigt (siehe Bild), mein Mann und ich haben uns um die Organisation vor ein paar Jahren gekümmert. Uns hat diese Idee sehr gut gefallen, kein schweres Grab, nah an der Natur und praktisch in der Pflege – das könnte uns beiden auch gefallen.

Ich wünsche euch einen schönen Sonntagsabend!

Emma

5 Comments »

    • Das ist in Deutschland inzwischen kein Problem. Meine Schwiegereltern haben es vor, denn sie sind an der Ostsee aufgewachsen und nennen es bis heute ihr Zuhause. Aber auch hier geht es nicht ohne eine Urne, sie wird ins Wasser gelassen und löst sich dort auf. Ich habe allerdings Angst vor der Tiefe des Wassers, deshalb eher ungeeignet für mich. Die Asche verstreuen – das wäre was für mich. Der Gedanke mit dem Wind zu wehen hat etwas befreiendes.

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