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Ein guter Nachbar ist besser als viele böse Verwandten

– das besagt ein ungarisches Sprichwort. Da ist was dran, denn den Nachbarn sieht man öfters als die vielen bösen Verwandten 😀

Über das Thema Nachbarn kann man etliche dicke Wälzer schreiben und eine Million Filme oder Serien drehen – bzw. das hat man schon längst. Die meisten Rechtsstreitfälle (zumindest in Deutschland) handeln von Nachbarschaftsstreitigkeiten. Die Tatsache ist doch traurig, denn Zuhause sollte man sich am wohlsten fühlen, nur wie, wenn der Nachbar nervt?

Zum Glück bin ich nicht betroffen, denn meine Nachbarn sind nett – es gibt ein rücksichtsvolles Miteinander, jeder fühlt sich wohl und genießt die Harmonie im Haus, die scheinbar mit uns hier eingezogen ist.

In meiner ersten eigenen Wohnung machte ich allerdings eine andere Erfahrung. Ich war 21 und zog in die Erdgeschosswohnung eines Zweifamilienhauses. Über mir wohnte ein Rentnerpaar, beide wirkten anfangs sehr nett und hilfsbereit. Es hat nicht lange gedauert, dann fingen beide an, mir diverse Ratschläge zu geben, außerdem folgten Einladungen zu Kaffeekränzchen, die ich dankend ablehnte, denn ich wollte meine Ruhe. Mit 21 hat man spannenderes vor als mit zwei Rentnern um die 75 Dorftratsch auszutauschen, bzw. eher sich diesen anzuhören. 😕

Mit der Zeit spitzte sich die Situation im Haus zu. Sie wollten mir vorschreiben, an welchen Tagen ich meine Wäsche waschen soll, bis wie viel Uhr ich die Toilettenspüllung betätigen darf (sie können sonst nicht schlafen) und ich sollte mir weiche Hauspuschenzulegen, denn sie hören meine Schritte in der Wohnung.

Der Herr-Nachbar durchsuchte außerdem meinen Müll um zu prüfen,  ob ich die Mülltrennung korrekt durchführe. Eines Tages stand eine Bratpfanne vor meiner Wohnungstür, die ich einen Tag zuvor in die Mülltonne geworfen habe. Dabei lag ein Zettel, sie gehöre nicht in die Restmülltonne, sondern auf den Sperrmüll. Eines war klar, von der neuen Mülltrennung hatten meine Nachbarn keine Ahnung.

Als ich ein paar Tage später einen Fettabdruck vom Gesicht an der Außenseite meines Schlafzimmerfensters entdeckte platzte mein Geduldsfaden, ich sprach Tacheles und danach wechselte ich kein Wort mehr mit den beiden. Ich hatte endlich Ruhe. Mich wunderte es nicht mehr, warum ihre Kinder den Kontakt abgebrochen haben. Nach gut 2 Jahren zog ich weg, danach ärgerten sie meine Nachmieter.

Zum Glück war es meine einzige negative Erfahrung und sie hat auch etwas Positives: Bei folgenden Wohnungssuchen informierten wir uns über die zukünftige Nachbarschaft, was sogar bei den Vermietern gut ankam.

Schlimm finde ich, wenn man sich zum Immobilienkauf entscheidet und mit schlechten Nachbarn bestraft wird – wie meine Eltern, sie haben Ärger seit fast 20 Jahren. 🙄

Fazit: Ein Leben in einer guten und harmonischen Nachbarschaft
ist Gold wert.

Was veranlasste mich eigentlich über die Nachbarschaft zu schreiben? Der Auslöser ist ein Artikel in der Rhein-Zeitung: Eine Frau erstattet eine Anzeige bei der Polizei, weil der Nachbarsjunge die Unterhose ihres Sohnes von der Wäscheleine geklaut hat, diese 2 Tage trug und wieder an die Wäscheleine zurückhing.

Ich muss zugeben, ich musste lachen als ich darüber im Radio hörte. Ich vermute eine Mutprobe oder einen Jugendstreich dahinter. Es gibt Schlimmeres.

In der Blogger-Welt bringen mich Frau Thala`s Berichte aus der Nachbarschaft immer wieder zum Staunen.  Ich musste feststellen, dass die Unverschämtheit mancher Menschen die Grenze des Vorstellbaren übertrifft. Zumindest die Vorstellungen eines gesunden Menschen.

Eine gute Nachbarschaft funktioniert wohl nur mit Rücksicht und Toleranz. Viel zu enge Freundschaften unter den Nachbarn halte ich immer wieder für gefährlich, denn irgendwann kommt wohl der Punkt, dass man sich weniger Kontakt wünscht. Es ist meistens schwer dann den Kontakt zu reduzieren, ohne das die andere Seite es einem nicht übel nimmt.

Wie sind eure Nachbarschaftserfahrungen?

Eure Buchstaben-Emma

12 Comments »

  1. Ich hatte auch mal einen schlimmen Nachbarn, er war zugleich mein Vermieter. Es war damals meine erste Wohnung und er – pardon – ein respektloses Arschloch. Bis zum Tag des Einzugs hatte ich nur seine Frau kennen gelernt.. Zwei Monate später bin ich fluchtartig in eine andere Wohnung gezogen 😉

  2. Durchweg positiv. Meine Eltern hatten (haben) ein Haus und ich bin dort ohne störende Nachbarn aufgewachsen. Die einzige Krawallnudel, was ich selbst 😀 Wir hatten zwar Kontakt zu Nachbarn, aber nie sehr intensiv. Ein freundliches „Hallo“, einige nette Worte und gut. Unsere Freunde lebten nicht nebenan.

    Yuki und ich haben Glück mit unserer Wohnung. Sie ist in einem Vierfamilienhaus. Alles Eigentümer, Mittelalter, berufstätig, nett. Gut isolierte Wände und Böden, den Lärm mache höchstens ich in der Küche … 😀 Ich wäre bei schlimmen Nachbarn auch sofort ausgezogen. Streit zu Hause gebe ich mir nicht. Da mag ich dann meine Energie nicht verschwenden müssen. Und zur Not gibt es immer noch meine Schwiegereltern, die auch ein Häuschen haben. Und meine Eltern ziehen bald in unsere Nähe. Die sind dann so etwas wie unsere guten und lieben Verwandten und Nachbarn *lacht sich weg*

    Aber ich kenne auch Fälle, die nicht so toll geartet sind. Was mich auf die Idee zu einem neuen Blogeintrag bringt. Aber der muss erst noch reifen 😉

    • Danke dir für den langen Kommentar. So harmonisch leben wir hier auch und die Jahre zuvor auch. Nur in meiner ersten und einzigen eigenen Wohnung hatte ich Pech. Es lag eindeutig nicht an mir. Viele Nachbarn sagten auch, dass man uns kaum wahr nimmt und die aktuellen sind froh, dass seitdem wir hier wohnen endlich Harmonie herrscht – wir sind die einzigen Mieter im 3 Familienhaus, der Rest Eigentümer. Wir fühlen uns hier wohl und bleiben wohl auch für länger – zumindest schaut unser Plan so aus. 🙂
      Ich freue mich auf deinen Beitrag.

  3. Vor zehn Jahren zündete der Nachbar über mir das Haus an, während wir alle drin waren (Alkoholiker mit Räumungsklage) und der danach spritzte sich Heroin und schlug seine Frau so hart, dass ich sie zu Boden fallen hörte. Ich hätte die Polizei verständigen sollen, aber ich hatte Angst vor ihm und was er mit mir machen könnte. Also sagte ich dem Vermieter bescheid und weg war er.

  4. Ich hatte mich schon gewundert, warum bei mir so oft auf das Thema „Nachbarschaft“ geklickt wurde. Jetzt verstehe ich es 😀
    Danke fürs Verlinken♥

    Übrigens, deine Erzählung mit der „Toilettenspülung“ übertrifft alles, was ich bisher erlebt oder gehört habe. Wahnsinn!

    • Du warst ja zum Teil meine Inspiration den Artikel zu schreiben. 😉
      Wg. der Toilettenspülung, sie war im Haus schon laut und hatte viel Druck, man drückte auf solchen Siphon-Hebel. Das Haus war aus den 60ern, damals war das wohl normal, die Wände waren recht dünn. Ich hörte genauso die Spülung von meinen Nachbarn, mich störte das nur nicht. Sie gingen mitten in der Nacht auf die Toilette, ich um Mitternacht, bevor ich ins Bett gehe – muss ja in der Nacht aber nicht nochmal rauf. Theoretisch hätten mich ihre Geräusche mehr stören können. Meine Nachmieter hatten wohl auch Spaß mit den beiden, die mangelnde Harmonie im Haus habe ich eindeutig nicht verschuldet. Ich habe kein Problem mich anzupassen. Jetzt im Haus haben wir viele Hausregeln, es wird aus Sauberkeit geachtet und jeder hält sich daran – auch wenn mir manches etwas übertrieben vorkommt – wir machen brav mit und alle sind zufrieden. Lieber übertriebene Sauberkeit als dessen Mangel, nicht wahr 🙂

  5. Als wir hier eingezogen sind, hatten wir auch Probleme mit unseren Nachbarn. Musik von oben kam bei uns in Zimmerlautstärke an. Nachts um 2 Uhr wurde im Wohnzimmer (das leider über unserem Schlafzimmer lag) James Bond geguckt – wir konnten den Film genau verfolgen. Das war bissschen ätzend. Wir haben uns viel aufgeregt und auch mit unserem Nachbarn gezofft. Später haben wir einige Dinge über unseren Nachbarn erfahren, die das alles in einem Licht erschienen ließ. Es wurde auch ruhiger.

    Anders verhält es sich mit unserem Nachbarn und gleichzeitig Hausmeister: Ein netter Mann, der schon (nach eigenen Angaben) um die 100 Jahre hier wohnt und jeden kennt. In Wahrheit ist um die 60, geht noch arbeiten, …! Manchmal bin ich etwas genervt, denn wenn er erstmal redet, dann dauert es auch eine Weile bis man wieder was anderes machen kann. Er möchte gerne alles wissen und teilt uns auch alles mit, was wir nicht wissen wollen. 😉 Aber ich weiß, dass er da ist, wenn wir ihn mal brauchen. Und dann kann ich über viele andere Dinge einfach hinwegsehen.

    Aber du hast Recht: Es braucht Toleranz und Rücksichtnahme, um gut miteinander leben zu können. Das es auch mal laut werden kann, ist klar. Das man von einigen Dingen genervt ist, ist auch klar. Dafür ist man einfach zu unterschiedlich.

  6. Da hattest du noch Glück. Ich habe mit meinen letzten Nachbarn wirklich übelste Erfahrungen gemacht, wäre ich länger dort wohnen geblieben, hätte das ganz sicher vor Gericht geendet. Was die sich für Unverschämtheiten herausgenommen haben, da sträuben sich mir noch heute die Nackenhaare … Nur mal ein Beispiel. Ich hatte einen wunderschönen Naturgarten, den ich mit viel Liebe und Mühe angelegt hatte. Obwohl ich den vorgeschriebenen Abstand, Größe etc. mit Sträuchern von deren Grundstück einhielt, passte ihnen das nicht, denn sie konnten von ihrem Küchenfenster nicht mehr die Nachbarn beobachten. Die Sicht war jetzt versperrt. Gaffen ging nicht mehr.

    Als erstes haben sie in einer Nacht-und-Nebelaktion die Sträucher radikal abgeschnibbelt. Beweisen konnte ich es nicht 😦 Wobei das noch eine der harmloseren Aktionen war. Ich wurde mit übelsten Schimpfwörtern bedacht. Sie erzählten Lügen über mich im Ort usw. Jetzt bin ich seit einigen Jahren dort weg und wie ich hörte, haben sie weiter ihre Spielchen getrieben und u.a. einen Streifen von 2 m Breite meines ehemaligen Gartens mit Chemie total vergiftet, es wächst rein gar nichts mehr! Und im Ort wird es nur noch der „Todesstreifen“ genannt. Ja, solche schlimmen Zeitgenossen gibt es leider überall.

    Man kann sich wirklich glücklich schätzen, wenn man nette Nachbarn hat. So wie ich jetzt.

    Übrigens, auch hier im Ort kenne ich zwei üble Kreaturen, die sind noch schlimmer. Aber das würde in Romane ausarten, wenn ich die Stories alle schildere 😉

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